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Die Burgen in der Gemeinde Gualdo Cattaneo

 

Rocca dei Borgia 
Entworfen wurde diese Burg, deren Bau im Jahr 1494 begann, nach den militärischen Regeln der damaligen Zeit, in der das Aufkommen der Artillerie das Aussehen aller Verteidigungsstrukturen wesentlich veränderte. Die zu Ehren des Papstes Alexander VI. „Dei Borgia“ genannte Burg, an deren Bau verschiedene Baumeister beteiligt waren, wurde im Jahr 1500 fertiggestellt. Ihr erster Burgherr war Johannes I. Olivieri von Foligno, der mit seiner ganzen Garnison dauerhaft in der Burg residieren musste. Seine Nachkommen erwarben dann das Lehngut Frecco (Valfabbrica). Perugia war immer gegen dieses Verteidigungswerk und schickte ein von Orsini geführtes Kontingent, um es zu zerstören. Doch sowohl aufgrund der starken Struktur, die so entworfen worden war, dass sie auch einer langen Belagerung standhalten konnte, als auch aufgrund des Mutes des Kommandanten Crispoldi von Foligno erwiesen sich die Angriffe als nutzlos. 1624 hielt sich Galileo Galilei einige Tage in der Burg auf. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. verfiel der militärische Komplex langsam, weshalb 1695 Restaurierungsarbeiten notwendig wurden, deren Kosten die Gemeinde Foligno übernahm. Im Jahr 1877 war das Gebäude erneut stark verfallen und ein Teil der Kragsteine war eingestürzt; sie wurden erst 1955 wieder instandgesetzt. Die Burg hat die Form eines gleichseitigen Dreiecks, an dessen Spitzen jeweils ein runder und kegelstumpfförmiger Turm steht, der durch unterirdische Laufgräben mit den anderen Türmen verbunden ist. Der höchste Turm hat eine Basis von 80 Metern Umfang und eine Höhe von 20 Metern und beherrscht das ganze Dorf; in seinen 5 Stockwerken befinden sich alle für die Verteidigung und die Residenz der Garnison notwendigen Einrichtungsgegenstände.

 

Barattano
Die Burg wurde im 13. Jh. mit dem Namen Villa S. Angelo in Piscina errichtet; den heutigen Namen erhielt sie erst später „aufgrund der betrügerischen Völker, die dort wohnten“ (der Name ist abgeleitet vom italienischen Verb „barare“ = „betrügen“, A.d.Ü.). Umgeben von gewaltigen Mauern (datiert auf 1452) mit zentraler Zitadelle und hohen Verteidigungstürmen, von denen einige aufgestockt sind, ist diese Burg ein gutes Beispiel für eine kompakte militärische Architektur, die ausschließlich zu Verteidigungszwecken bestimmt ist und von den römischen „castrum“ stammt. 1261, während der Stadtvogtzeit von Filippo degli Ugoni von Brescia, war Filippo di Barattano der Stadthauptmann. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. fiel die Burg unter die Gerichtsbarkeit der Trinci. Im Jahr 1540 schickte sie einen Arbeiter nach Perugia für den Bau der Rocca Paolina. Einige Jahrhunderte blieb die Burg  unter dem Einfluss von Todi: Im Jahr 1802 wurde sie Gualdo Cattaneo, 1815 S. Terenziano und 1861 erneut Gualdo Cattaneo eingegliedert. Die Burg ist noch in diskretem Zustand und äußerst beeindruckend wegen ihrer morphologischen Struktur, gekennzeichnet durch einen ausgedehnten Mauergürtel mit mittelalterlichem Zugangstor, charakteristische Gassen sowie hohe Wachtürme, von denen einige noch Überreste von Abdeckungsarbeiten aufweisen. Innerhalb des Mauerrings befindet sich die Kirche S. Bartolomeo (13. Jh.) mit Fresken des 16. und 17. Jh. und zwei Holzengeln aus dem 16. Jh..

 

Die Burg S.Terenziano 
Diese im 14. Jh. zur Verteidigung der Bevölkerung errichtete Burg liegt 500 m ü.d.M. zwischen Gualdo Cattaneo und Todi. Die Ursprünge des Ortes gehen auf das 1. Jh.n.Chr. zurück: Aufgrund der reichen Kalk- und Travertinsteinbrüche wurde er von den Römern loco petroso genannt. Für den Bau der Burg, die sich mit dem traditionellen quadratischen Grundriss präsentiert, wurden die lokalen Steine verwendet. Ihr Name stammt vom ersten Bischof von Todi, Terenziano, den Kaiser Adrian zusammen mit Flacco, Hohepriester des augusteischen Kollegiums, enthaupten ließ: In der darauffolgenden Nacht trugen einige christliche Frauen die sterblichen Hüllen der Märtyrer auf die Hochebene von Petroso, die dann S. Terenziano genannt wurde. Die Burg folgte immer den politischen und militärischen Ereignissen der Stadt Todi, die dort eigene Burgherren einsetzte; ein Wohnhaus innerhalb der Mauern trägt immer noch das Familienwappen der Atti auf dem Tragbalken. Sie gehörte zur Pfarrgemeinde Todi und zu den Stadtvierteln Colle, Valle und Cammucia. Im Jahr 1354 griffen die Truppen von Moriale d´Albarno die Burg an. Nachdem d´Albarno Spello und Beroide erfolglos angegriffen und die Territorien von Trevi und Montefalco geplündert hatte, zog er mit seinen Truppen Richtung Todi. Moriale, provenzalischer Heerführer und Hauptmann der „Großen Kompanie“, wurde nach dem Angriff auf S. Terenziano von seinen Brüdern überredet, nach Rom zu gehen, wohin kurz zuvor Cola di Rienzo zurückgekehrt war; vom Tribun zu Unrecht angeklagt, wurde er zusammen mit seinen Brüdern verhaftet und am 29. Oktober 1345 enthauptet. Gewünscht wurde sein Tod hauptsächlich von Innozenz VI., der die Kurie reformierte und durch das Inquisitionsgericht Missbrauch und Gewalt ausrottete.
Im Jahr 1440, nachdem Francesco I. Sforza die Burg Castelvecchio zerstört hatte, teilten die Prioren von Todi die Kirchenglocke der Gemeinschaft S. Terenziano zu. In der Renaissance nahmen die Cesi hier ihre Residenz und bauten den noch heute sichtbaren gleichnamigen Palazzo; Angelo Cesi beauftragte den Architekten Valentino Martelli mit dem Bau einiger Palazzi in Todi und in der Umgebung von Gualdo Cattaneo. Innerhalb des Burgkomplexes befindet sich die Kirche S. Terenziano, Pfarrei eines ausgedehnten Territoriums, das dem Kapitel von Todi unterstand; sie wurde von einigen Kanonikern, einem Erzpriester und einem Kämmerer verwaltet. Diese Kirche ist ein seltenes Beispiel für zwei aufeinanderliegende Kirchen: Die untere, in welcher der Sarkophag mit den sterblichen Hüllen des Heiligen untergebracht war, stammt aus dem 11. Jh., die obere wurde Ende des 13. Jh. errichtet. 1715 öffnete man das Grab des Heiligen und brachte die in einem Reliquienschrein aufbewahrten Gebeine unter den Altar der oberen Kirche, die der Bischof von Todi später restaurieren ließ. Die Burg S. Terenziano gehörte immer zur Gemeinde Todi; 1815 wurde sie ausgegliedert und gemeinsam mit den Burgen Grutti, Torri, Barratano, Saragano, Marcellano, Pozzo, Ceralto und Cisterna zur Gemeindefraktion von Collazzone ernannt. Im Jahr 1829 wurde sie eine Gemeinde, 1861 jedoch wieder Gualdo eingegliedert. Auf dem Eingangstor neben einem gewaltigen quadratischen Turm sieht man noch das Adlerwappen von Todi.

 

Cisterna 
Diese Burg aus dem 13. Jh. erhebt sich auf einem Hügel über dem Fluss Puglia. Bis 1378 unter der Herrschaft von Perugia, war sie in diesem Gebiet die Burg mit der höchsten Anzahl von Familien; für das Fest von S. Ercolano mussten die Einwohner drei Pfund Wachs nach Perugia schicken. Im Jahr 1412 erwarb Ugolino III. Trinci die Burg. Mit der Urkunde vom Juli 1412 gewährte Papst Gregor XII. Trinci die Burg als Vikarssitz, gegen Bezahlung einer jährlichen Abgabe und mit den üblichen Treue- und Rechtssprechungsvereinbarungen. Die Truppen von Ladislao d´Angiò, König von Neapel, fielen 1414 in Mittelitalien und Umbrien ein. Ugolino III. einigte sich mit den Florentinern und unterstellte sich ihrer Gerichtsbarkeit. Den Trinci gehörte die Burg Cisterna bis zum Ende ihrer Signoria im Jahr 1441; zu dieser Zeit zählte sie 118 Einwohner. 1802 wurde sie der Gemeinde Gualdo Cattaneo eingegliedert, anschließend gehörte sie zur Gemeinschaft S. Terenziano, eine Gemeindefraktion von Collazzone und seit 1829 unabhängig; im Jahr 1861 fiel sie wieder an Gualdo Cattaneo zurück. Heute ist die Burg in einem diskreten Zustand. Neben dem noch gut sichtbaren mittelalterlichen Turm befindet sich ein bewohnter Kern, der auf das 19. Jh. zurückgeht.

 

Grutti  
Diese im 11. Jh. mit dem Namen Grottombra errichtete Burg wurde 1126 von ghibellinischen Herren mit soliden Mauern umgeben. 1347 galt sie als „Villa“ und zählte 16 Familien. Wegen ihrer zahlreichen unterirdischen Travertingrotten, die den ersten Christen und Anhängern des hl. Terenziano als Zufluchtsstätte dienten, bekam sie später den Namen „Grutti“. Ganz in der Nähe erhebt sich die alte, noch vor der Burg gebaute Abtei mit der romanischen Kirche S. Maria di Agello. Angelo Cesi, Bischof von Todi, schätzte diesen Ort sehr und ließ dort einige Restaurierungsarbeiten durchführen. Von der mittelalterlichen Struktur sind heute nur noch einige Wachtürme erhalten, die weite Teile der Mauer überragen.. Die Wohnungen der alten Burg werden als Lager und Keller benutzt.

 

Pomonte 
Pomonte gehörte den Grafen Antignano. Die Grafschaft Antignano, mit ihrer Burg auf den Hügeln von Bevagna, umfasste verschiedene Besitztümer zwischen Bevagna und Gualdo Cattaneo. Im Jahr 1305 wurden die Vertreter der Burg Pomonte „ad parlamentum“ in die Kathedrale von Foligno einberufen, um die Feindseligkeiten gegen den Statthalter Deoticlezio de Loiano, der dem Herzogtum Spoleto vorstand, einzustellen. Die Burg erhob sich 1318 gegen die Guelfen, weigerte sich, die Abgaben zu zahlen und die Kirche mit Waffen zu verteidigen und erklärte sich zum Anhänger des Grafen Friedrich I. da Montefeltro, der gerade durch das umbrische Territorium wütete. 1322 wurde die Burg unterworfen und war Todi abgabepflichtig.
In unmittelbarer Nähe von Pomonte ist noch die Ruine der alten, von Albornoz gebauten Festung zu sehen. Unterhalb der Festung befindet sich gut sichtbar und in ausgezeichnetem Zustand ein verstärkter, um das Jahr 1415 von Gregor XII. errichteter Bau. 1421 gelangte Pomonte unter das Vikariat der Trinci mit Konrad XV. und wurde dann 1451 den Crispolti von Bettona als Lehen übergeben, in deren Besitz die Burg bis zum Jahr 1658 blieb. In diesem Jahr ging sie wieder an die Katholische Kirche über. 1943 wählten die Deutschen den Palazzo als Unterkunft für ihr Kommando und im darauffolgenden Jahr trug die Partisanengruppe das gesamte vom deutschen Militär beschlagnahmte Material fort. Heute erhebt sich die von einer üppigen Vegetation umgebene Burg majestätisch auf einem Hügel; sie präsentiert sich auf viereckigem Grundriss und mit kleinen Ecktürmen, die halb so hoch wie der Palazzo sind.

 

Simigni 
Gegründet 1103 von einem gewissen Seminio der Grafen von Collazzone, wurde die Burg 1322 mit einem Turm und gewaltigen Verteidigungsmauern verstärkt. 1363 wurde sie von der Kompanie del Cappelletto angegriffen und erobert. Nachdem die Kompanie S. Gemini und Simigni erobert hatte, erhielt sie von der Gemeinde Todi 1000 Gulden, damit sie diese Orte verließ. Sie hielt zwar ihr Wort, schuf aber ein kleines Lehensgut rund um die Burg Torreuccia zwischen Gualdo Cattaneo und Bastardo. Diese Kompanie setzte sich aus Sprösslingen des italienischen Adels auf der Suche nach Abenteuern und Ruhm zusammen. Im Dezember 1363 versuchte Nicolò da Montefeltro gleich nach seiner Befreiung aus der Gefangenschaft in Siena, zu seinen Kameraden zu stoßen, wurde jedoch von den Einwohnern Todis gefangengenommen und ins Gefängnis geworfen.  1389 fiel Simigni unter die Herrschaft der Trinci, 1410 unter die Herrschaft von Braccio Fortebracci, danach erneut unter die Trinci und später unter die Atti. In diesem besonderen historischen Moment war es üblich, dass viele Lehensgüter von den Trinci an die Fortebracci übergingen und umgekehrt. 1435 gab Konrad XV. Trinci dem Statthalter von Perugia, Monsignore Alberto Alberti, Simigni zurück. Nachdem die Atti unter der Gerichtsbarkeit der Zisterzienserabtei Chiaravalle mit der Burg belehnt worden waren, wurde sie anschließend zur Grafschaft erhoben, deren Herr Graf Friedrich di Simigni war. 1645 wurde sie wieder von der Familie Oddi von Todi erworben, in deren Besitz auch der Palazzo Atti war. Anfang des 17. Jh. veranlasste der Prior von Todi Benigno Degli Oddi Verschönerungs- und Restaurierungsarbeiten von beachtlicher Bedeutung für die Stadt. Heute gehört die Burg der Familie Bonadies aus Rom.

 

Speltara 
Zwischen S. Terenziano und Collazzone erhebt sich diese verlassene, von einem robusten Mauerring umgebene quadratische Burg mit ihrem hohen Eckturm. Zum ersten Mal wird sie Ende des 13. Jh. erwähnt, als Speltara der Gerichtsbarkeit von S. Terenziano unterstand. Ihr Name soll sich vom Anbau des  Spelts ableiten, eine Pflanze der Familie der Gräser, die dem Weizen ähnelt und später Dinkel genannt wurde. Speltara folgte den historischen Ereignissen von Gualdo Cattaneo und den angrenzenden Territorien und wurde abwechselnd Lehen von Perugia, Vorposten von Braccio Fortebracci und Besitztum von Todi. Die hohe und massive Burg hat einen großen Innenhof, von dem man in die Burgräume, die Wohnungen der Bediensteten und die Ställe gelangt. In den gesamten Komplex, der in einem ausgesprochen schlechten Zustand ist und aufgrund seiner imposanten architektonischen Struktur eine durchgreifende Restaurierung verdiente, führt nur ein einziges Tor.

 

Torri
Diese auf einem vereinzelten Hügel liegende Burg beherrscht das darunter liegende Tal, in dem die Straße von S. Terenziano nach Bastardo verläuft. Ihre Ursprünge gehen bis in die Steinzeit zurück, wie an den zahlreichen Funden von Schabern, Messern, geschliffenen Handbeilen aus grünem Stein, Pfeilspitzen, Speeren und Dolchen (aus einem sehr harten, „selce“ genannten Stein hergestellte Waffen) zu erkennen ist.
Die Burg wurde im Jahr 1250 mit dem Namen cerqueto gegründet, da sie von einem großen Eichenwald umgeben ist. Nach dem Bau eines robusten Mauerrings mit hohen Ecktürmen, die zur Verteidigung und als Taubenschlag dienten, erhielt sie ihren heutigen Namen. Durch ein gebogenes Zugangstor mit dem Adlerwappen von Todi gelangt man ins Innere, wo die Wohnräume am Außenring liegen. Als Ugolino III. nach dem Tod seines Onkels Konrad XII. an die Macht gelangte, setzte er die Politik der Kontrolle über das Territorium im Auftrag der Katholischen Kirche fort; er bekräftigte den Frieden mit Perugia für weitere hundert Jahre. Vor dem 16. Jh. zählte Torri 33 Familien, die so oft Zwistigkeiten untereinander hatten, dass verschiedene Päpste die Burg abwechselnd Gualdo Cattaneo und Todi eingliederten. Nach der Restauration wurde sie eine Gemeindefraktion von S. Terenziano und ab 1861 gehörte sie zu Gualdo Cattaneo.





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